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Nicht angenommen

Die Bundesliga ist ein Superprodukt, da müssen wir nicht ängstlich sein, sondern selbstbewusst. Ich verstehe nicht, warum Sky nicht so angenommen wird.

So sprach’s Christian Nerlinger, Manager des FC Bayern München, angesichts der tiefroten Zahlen, die der Pay-TV-Sender Sky weiterhin schreibt.

Nun, Herr Nerlinger, wie wäre es damit:

  • Auch wer sich nur für Fußball interessiert, muss ein überflüssiges Programmpaket namens „Sky Welt“ mitbuchen.
  • Es gibt kein „Fußball-Paket“, sondern Bundesliga und internationaler Fußball (CL!) werden separat angeboten.
  • Wer Bundesliga + internationen Fußball sehen möchte, muss dafür im Monat 44,90 EUR berappen. Wer das Ganze in HD sehen will, muss noch einmal einen 10er drauflegen.
  • Die Bundesligaspieltage sind dank Sky dermaßen zerstückelt und salami-mäßig aufgeteilt worden, dass es am Wochenende nur noch wenige fußballfreie Stunden gibt – für Leute, die auch noch andere Hobbies pflegen (z.B. ihre Familie) ist das schlichtweg unzumutbar.

Die Idee, mittels einer Preiserhöhung und dem Zwang zur Abnahme eines nicht gewünschten Programmpaketes (Sky-Welt) neue Abonnenten zu werben, zeugte von großer Dummheit wirtschaftlichem Unverstand. Wer seine Preise nur auf eine kleine, zahlungskräftige Zielgruppe ausrichtet, muss sich nicht wundern, wenn die große Masse das Angebot links liegen lässt.

 

 

Halb so schlimm

Gestern ist bekanntlich das seltsamerweise völlig unbeliebte Team der Italiener bei der WM in Südafrika als Gruppenletzter bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Das hat aus völlig unverständlichen Gründen viele Fußballfans im In- und Ausland sehr erfreut und manche fragen sich sogar, ob denn der Winter schon wieder zurückgekehrt ist, weil die Schwalben schon wieder gen Italien ziehen.

Solchen Bösartigkeiten möchte sich der Autor natürlich gerne nicht anschließen. Ihn erreichte nämlich der Hilferuf einer Kollegin: „Ich bin Viertelitalienerin, ich habe auch Gefühle! ;-)“

Dann, liebe Kollegin, hat Deine Mannschaft natürlich gestern nur mit 3/4 zu 2/4 gegen die Underdogs aus der Slowakei versagt – es ist also alles nur viertel halb so schlimm. Und in vier Jahren darf Italien ja bestimmt wieder mitspielen – sie trainieren ja schon dafür.

Gekauft

„Ich bin sicher, dass sie das Spiel gegen die Slowakei gekauft haben.“

Na, das war ja dann mal eine lohnende Investition, Herr Bossi.

Tschüß, Italia, und guten Heimflug!

Ich bestell‘ mir dann jetzt mal ’ne leckere Pizza … 🙂

Süüüß

Gerade wurde mir die Frage gestellt: „Wann guckst Du eigentlich am Wochenende Fußball?“

Frauen können manchmal wirklich sehr naiv sein.

Süüüß … 🙂

Mitgefangen, mitgehangen: BGH bestätigt bundesweites Stadionverbot wegen Gruppenzugehörigkeit

PM des BGH vom 30.10.2009:

Der V. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte zu entscheiden, unter welchen Voraussetzungen gegen auffällig gewordene Zuschauer von Fußballspielen ein bundesweites Stadionverbot verhängt werden darf.

Am 25. März 2006 fand in der Sportstätte der Beklagten (MSV-Arena) ein Spiel der ersten Fußballbundesliga zwischen der von der Beklagten unter der Bezeichnung „MSV Duisburg“ unterhaltenen Lizenzspielermannschaft und der Mannschaft des FC Bayern München statt. Der Kläger, der seinerzeit Vereinsmitglied und Inhaber von Heim- und Auswärtsdauerkarten des FC Bayern München war, nahm an dem Spiel als Zuschauer teil. Nach Spielschluss kam es zwischen einer Gruppe von ca. 100 Anhängern des FC Bayern München, zu der ausweislich des Polizeiberichts auch der Kläger gehörte, und Anhängern des MSV Duisburg zu Auseinandersetzungen, bei denen mindestens eine Person verletzt und ein Auto beschädigt wurde. Im Rahmen des Polizeieinsatzes wurde u. a. der Kläger in Gewahrsam genommen.

Mit Schreiben vom 18. April 2006 sprach die Beklagte gegenüber dem Kläger ein bis zum 30. Juni 2008 befristetes Betretungsverbot für die MSV-Arena und sämtliche Fußballveranstaltungsstätten in Deutschland (bundesweites Stadionverbot) für nationale und internationale Fußballveranstaltungen von Vereinen bzw. Tochtergesellschaften der Fußballbundesligen und der Fußballregionalligen sowie des Deutschen Fußballbundes (DFB) aus. Sie stützte sich dabei auf die von ihr im Lizenzierungsverfahren anerkannten „Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten“ des DFB (DFB-Richtlinien). Danach soll ein solches Verbot bei eingeleiteten staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren u. a. wegen Landfriedensbruchs verhängt werden. Es ist aufzuheben, wenn das Ermittlungsverfahren keinen Anlass zur Erhebung der öffentlichen Klage gegeben hat und nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt worden ist. Bei einer Verfahrenseinstellung nach § 153 StPO soll das Verbot auf Antrag des Betroffenen im Hinblick auf seinen Bestand und seine Dauer überprüft werden.

Ein gegen den Kläger eingeleitetes staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs wurde am 27. Oktober 2006 nach § 153 StPO eingestellt. Auf Antrag des Klägers, das Stadionverbot zu überprüfen, nahm die Beklagte im Dezember 2006 Einsicht in die Ermittlungsakten und kam zu dem Schluss, das Verbot aufrecht zu erhalten.

Der Kläger behauptet, an den  im Übrigen nur kleineren – Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fangruppen nicht beteiligt gewesen zu sein, sondern diese nur aus der Distanz wahrgenommen zu haben. Seine auf die Aufhebung des Stadionverbots, hilfsweise auf die Beschränkung des Verbots auf die MSV-Arena gerichtete Klage hat das Amtsgericht abgewiesen. In dem Berufungsverfahren hat der Kläger, weil das Verbot wegen Zeitablaufs nicht mehr bestand, mit mehreren inhaltlich abgestuften Anträgen die Feststellung der Rechtswidrigkeit des Stadionverbots beantragt. Das Landgericht hat die Berufung zurückgewiesen. Die Revision des Klägers hatte keinen Erfolg.

Der Bundesgerichtshof hat den Übergang zur Feststellungsklage für zulässig gehalten. Der Betroffene muss auch nach Ablauf des zeitlich befristeten Stadionverbots dessen Rechtmäßigkeit gerichtlich überprüfen lassen können. In der Sache ist der Bundesgerichtshof davon ausgegangen, dass der Eigentümer oder Besitzer eines Stadions aufgrund seines Hausrechts ohne vorherige Anhörung des Betroffenen grundsätzlich frei darüber entscheiden kann, wem er den Zutritt verwehrt. Das gilt auch, wenn – wie bei dem Besuch eines Fußballspiels – der Zutritt aufgrund eines Vertragsverhältnisses mit dem Hausrechtsinhaber gewährt wird.

Das Hausrecht unterliegt allerdings Einschränkungen. Bei Fußballspielen gewährt der Veranstalter in Ausübung der in Art. 2 Abs. 1 GG garantierten Vertragsfreiheit grundsätzlich jedermann  gegen Bezahlung  den Zutritt zu dem Stadion. Will er bestimmte Personen davon ausschließen, muss er deren mittelbar in das Zivilrecht einwirkende Grundrechte beachten; ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) und das aus Art. 3 Abs. 1 GG folgende Gebot der Gleichbehandlung lassen es nicht zu, einen einzelnen Zuschauer willkürlich auszuschließen. Vielmehr muss dafür ein sachlicher Grund bestehen. Dabei ist es ohne Bedeutung, ob der von dem Ausschluss Betroffene in vertraglichen Beziehungen zu dem Hausrechtsinhaber steht oder nicht.

Da die Verhängung eines Hausverbots seine Grundlage in einem Unterlassungsanspruch nach §§ 862 Abs. 1 Satz 2, 1004 Abs. 1 Satz 2 BGB hat, setzt es voraus, dass eine künftige Störung zu besorgen ist. Konkret geht es darum, potentielle Störer auszuschließen, die die Sicherheit und den reibungslosen Ablauf von Großveranstaltungen wie einem Liga-Fußballspiel gefährden können. Daran hat der Veranstalter ein schützenswertes Interesse, weil ihn gegenüber allen Besuchern Schutzpflichten treffen, sie vor Übergriffen randalierender und gewaltbereiter „Fans“ zu bewahren. Solche Schutzpflichten bestehen entweder aufgrund Vertrages mit den Besuchern der Veranstaltung oder unter dem Gesichtspunkt allgemeiner Verkehrssicherungspflichten. Ein sachlicher Grund für ein Stadionverbot besteht daher, wenn aufgrund von objektiven Tatsachen, nicht aufgrund bloßer subjektiver Befürchtungen, die Gefahr besteht, dass künftige Störungen durch die betreffenden Personen zu besorgen sind. Eine derartige Gefahr wird regelmäßig bei vorangegangenen rechtswidrigen Beeinträchtigungen vermutet, kann aber auch bei einer erstmals drohenden Beeinträchtigung gegeben sein.

Bei der Verhängung von Stadionverboten sind an die Annahme der Gefahr von Störungen keine überhöhten Anforderungen zu stellen. Das ergibt sich aus den Besonderheiten sportlicher Großveranstaltungen, insbesondere von Fußballgroßereignissen. Diese werden häufig zum Anlass für Ausschreitungen genommen. Angesichts der Vielzahl der Besucher und der häufig emotional aufgeheizten Stimmung zwischen rivalisierenden Gruppen ist daher die Bemühung der Vereine sachgerecht, neben Sicherungsmaßnahmen während des Spiels etwa durch Ordnungskräfte und bauliche sowie organisatorische Vorkehrungen auch im Vorfeld tätig zu werden und potentiellen Störern bereits den Zutritt zu dem Stadion zu versagen.

Bei der Festsetzung von Stadionverboten sind andere Maßstäbe anzuwenden als bei der strafrechtlichen Sanktionierung von Störungen bei früheren Spielen. Während insoweit nach dem Grundsatz in dubio pro reo eine Bestrafung unterbleibt, wenn keine Tat bewiesen ist, können Stadionverbote eine nennenswerte präventive Wirkung nur dann erzielen, wenn sie auch gegen solche Besucher ausgesprochen werden, die zwar nicht wegen einer Straftat verurteilt sind, deren bisheriges Verhalten aber besorgen lässt, dass sie bei künftigen Spielen sicherheitsrelevante Störungen verursachen werden. Eine solche Besorgnis ergibt sich zunächst aus den der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen eines im Zusammenhang mit einem Stadionbesuch begangenen Landfriedensbruchs zugrunde liegenden Tatsachen. Dem Hausrechtsinhaber stehen nämlich regelmäßig keine besseren Erkenntnisse über den Tatablauf und die Beteiligung des Betroffenen zur Verfügung als der Polizei und der Staatsanwaltschaft. Allerdings ist hier das Ermittlungsverfahren später wegen Geringfügigkeit nach § 153 StPO eingestellt worden. Infolgedessen kann nicht davon ausgegangen werden, dass der Kläger den Straftatbestand des Landfriedensbruchs verwirklicht hat. Der Verfahrenseinstellung kann nur entnommen werden, dass seine Schuld, falls er sich strafbar gemacht haben sollte, gering wäre. Auf die Strafbarkeit seines Verhaltens kommt es aber nicht an. Anknüpfungspunkt für das Stadionverbot ist nicht die Verwirklichung eines Straftatbestandes, sondern das Verhalten des Klägers, das Anlass für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegeben hat. Die Umstände, die dazu geführt haben, haben auch nach Einstellung des Verfahrens weiterhin Bedeutung. Der Kläger ist nicht zufällig in die Gruppe, aus der heraus Gewalttaten verübt worden sind, geraten, sondern war Teil dieser Gruppe. Die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe, mit der der Kläger in Gewahrsam genommen wurde, rechtfertigt die Annahme, dass er sich bei Fußballveranstaltungen in einem zu Gewalttätigkeiten neigenden Umfeld bewegt und von ihm deshalb künftige, Dritte gefährdende Störungen zu besorgen sind; auf den Nachweis, er habe sich an den aus der Gruppe heraus begangenen Gewalttätigkeiten beteiligt, kommt es nicht an. Der Kläger hat diese Besorgnis weder im vorliegenden Zivilrechtsstreit noch anlässlich der Überprüfung des Stadionverbots durch die Beklagte, bei der ihm Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben worden war, ausgeräumt.

Weder das zeitliche Ausmaß noch der inhaltliche Umfang (bundesweit) des Verbots sind rechtlich zu beanstanden. Die Sanktion blieb unter dem zeitlichen Rahmen, der in den DFB-Richtlinien, die für die Vereine eine geeignete Grundlage zum Ausspruch eines Stadionverbots bilden, in solchen Fällen vorgesehen ist. Es ist nicht ersichtlich, dass die Beklagte den Anlass für den Ausspruch des Verbots nicht angemessen berücksichtigt und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt hätte. Der Umstand, dass der Kläger Inhaber von Heim- und Auswärtsdauerkarten für die Spiele des FC Bayern München gewesen sein mag, spielt hierbei keine Rolle. Die Verhängung eines Stadionverbots hat stets zur Folge, dass Dauerkartenberechtigungen ganz oder teilweise ins Leere laufen. Das kann keine Auswirkungen auf die Frage des Ob und des Wie eines Stadionverbots haben.

Urteil vom 30. Oktober 2009 – V ZR 253/08

LG Duisburg – Urteil vom 20. November 2008 – 12 S 42/08

AG Duisburg – Urteil vom 13. März 2008 – 73 C 1565/07

Karlsruhe, den 30. Oktober 2009

24.10.2009

Anmerkung:

Entscheidend für die Verhängung des Stadionverbots ist nach Auffassung des Senats nicht die Frage, ob der Betroffene sich strafbar gemacht hat, sondern die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, „mit der der Kläger in Gewahrsam genommen wurde“. Diese gebe Anlass zu der Sorge, dass „er sich bei Fußballveranstaltungen in einem zu Gewalttätigkeiten neigenden Umfeld bewegt“.

In künftigen Verfahren gegen Stadionverbote müssen die Betroffenen also nicht nur nachweisen, dass Sie sich nicht strafbar gemacht haben, sondern dass sie nicht zu einer Gruppe gehören, von der weitere Störungen zu erwarten sind. Dieser Sippenhaft kann der Betroffene quasi nur dadurch entgehen, dass er nachweist, keiner Gruppe zuzugehören und nur zufällig mit aufgegriffen worden zu sein – oder eine Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO vorweisen kann. Denn dann ist das Stadionverbot nach den DFB-Richtlinien aufzuheben.

Ach ja: Fußballfans sind keine Verbrecher. Jedenfalls die meisten nicht.

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Gewinnspiel

Morgen muß die deutsche Fußballnationalmannschaft in der Qualifikation zur WM 2010 in Moskau gegen Rußland antreten.

Das nehme ich zum Anlass für ein kleines Gewinnspiel:

1. Wie steht es zur Halbzeit?
2. Wie geht das Spiel aus?
3. Wer schießt die Tore für die deutsche Mannschaft?

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Prinz Poldi: Morgen erfolgreich?

Für die richtige Beantwortung der Fragen 1 und 2 gibt es jeweils 3 Punkte.
Für jeden richtig benannten Torschützen gibt es 5 Punkte.

Bei Punktegleichstand entscheidet das Los.

Zu gewinnen gibt es 1 x 2 Gutscheine für Fachbesucher-Eintrittskarten für die Frankfurter Buchmesse, gültig vom 14. bis 16. Oktober. (Hinweis: Zur Nutzung ist eine Registrierung auf der Webseite der Buchmesse als Fachbesucher erforderlich.)

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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Was die Welt nicht braucht: Premiere vergrault Neukunden

Aus Premiere wird künftig Sky Deutschland. Das ist ja schon seit ein paar Wochen bekannt. Heute nun hat Sky seine ab 4. Juli geltenden Programmpakete vorgestellt. Wichtigste Änderung für alle Fußballfans: Wer künftig die Spiele der Bundesliga und internationalen Fußball sehen möchte, muss dafür im Monat 44,90 EUR hinblättern. Denn beides gibt es ab Juli nur noch in Verbindung mit dem Basispaket „Sky Welt“, das angeblich „20 erstklassige, nationale und  internationale Sender umfasst“. Resteverwertung á la Murdoch.

Hier die neuen Preise:

Sky Welt: 16,90 EUR/Monat + 10 EUR HD

Sky Welt + Sky Film: 32,90 EUR/Monat + 10 EUR HD
Sky Welt + Sky Sport: 32,90 EUR/Monat + 10 EUR HD
Sky Welt + Sky Fußball Bundesliga: 32,90 EUR/Monat + 10 EUR HD

Sky Welt + Sky Film + Sky Sport: 44,90 EUR/Monat + 5 EUR HD
Sky Welt + Sky Film + Sky Fußball Bundesliga: 44,90 EUR/Monat + 5 EUR HD
Sky Welt + Sky Sport + Sky Fußball Bundesliga: 44,90 EUR/Monat + 5 EUR HD

Sky Welt + Sky Film + Sky Sport + Sky Fußball Bundesliga: 54,90 EUR/Monat + 5 EUR HD

Attraktiv ist das nicht. Wer sich nur für Fußball interessiert muss gezwungenermaßen ein Basis-Paket mitbuchen, das die Welt nicht braucht. Daher wohl der Name.

Darauf verzichte ich doch dankend und werde auch zukünftig an Spieltagen, an denen ich nicht selbst im Stadion weile, lieber die gemütliche Kneipe im Veedel aufsuchen, als mein Geld für überteuertes PayTV auszugeben.

Es bleibt zu hoffen, dass die Münchner mit diesem Geschäftsmodell ganz schnell auf die Nase fallen. Denn Kundenfreundlichkeit sieht anders aus.

Verloren – na und?

Ich weiß nicht, wie meine Leser das sehen. Aber mich hat während der gestern zuende gegangenen EM das große Fieber nicht richtig gepackt. 

Anders noch vor 2 Jahren, als ich nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft im Halbfinale sogar Tränen vergossen habe, läßt mich auch die gestrige Finalniederlage ziemlich kalt. Verloren – na und?

Liegt es daran, daß es „nur“ eine EM war – und keine WM? Liegt es daran, daß das Turnier diesmal nicht zuhause stattgefunden hat und ich kein Spiel live im Stadion verfolgen konnte? Oder liegt es an dem mäßigen Auftreten der deutschen Mannschaft, das zu keinem Zeitpunkt euphorische Gefühle wecken konnte?

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Gestatten, Europameister!

Vielleicht lag es auch einfach an dem nervigen Hype, der aus Menschen, die noch nie ein Fußballstadion von innen gesehen haben, nun die reinsten Über-Fans gemacht hat. Eine Stuttgarter Ultra-Seite hat dies treffend beschrieben:

„Zum einen wäre da die Zensur der UEFA. Erstmals produzierte die UEFA die EM-Fernsehbilder selbst und wachte mit chinesischer Akribie über die „Sauberkeit“. Worauf es der UEFA dabei ankam: Störungsfrei und klinisch rein sollte die EM aussehen, gesäubert von allem. Nichts war zu sehen von brennenden Flaggen (um nationale Gefühle nicht zu verletzen) oder von den Fans, die auf den von Medien aufdiktierten Karnevals-Schwachsinn mit Blumenketten, Hüten, Perücken, Gesichtsfarben und sonstigem peinlichen Nonsens verzichtet haben und ihr Land traditionell nur mit Fahne oder Trikot oder in zivil unterstützten (weil solche Fans ja immer ein „Sicherheitsrisiko“ sind). Stattdessen wurden massig verkleidete Karnevalisten gezeigt, die bei der EM vor 4 Jahren Fußball noch primitiv fanden und seit der WM 2006 mit dem Mainstream-Autofähnchen-Strom mitschwimmen. Also jene von den Massenmedien geleiteten, meinungslosen Zeitgenossen, die das ganze Jahr über, wenn man von seinen VfB-Auswärtsfahrten erzählt, den Kopf schütteln („Wie kann man nur so weit fahren nur für ein Fußballspiel“) und jetzt plötzlich bei allen EM-Spielen live im Stadion mitfiebern.

Abseits der Stadien versuchten uns die deutschen Medien eine „heile EM-Welt“ zu verkaufen und berichteten ständig nur von der „tollen Party“ und den „friedlich feiernden Fans“. Dass es z.B. in Berlin zu einer Messerstecherei kam, in Stuttgart zu Auseinandersetzungen mit der Polizei oder in Dresden Steine flogen und Schaufensterscheiben von Döner-Läden eingeworfen wurden, fand nur am Rande bzw. gar keine Erwähnung. Dafür überall Reporter „live vor Ort und mittendrin in der Party“ mit um das Mikrofon gewickelter Blumenkette vor einem Haufen kostümierter EM-Narren, die sich vor der Kamera auf Kommando zum Deppen machten.

Mein Fazit: Ich bin froh, daß der Bohai, der um das Turnier gemacht wurde, nun wieder vorbei ist.  Und in wenigen Wochen beginnt der richtige Fußball wieder. Ganz ohne Eventheinis auf den Straßen und in den Biergärten.

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