Immer wieder sonntags

Heute morgen erreichte mich eine Mandatsanfrage:

“Sehr geehrter Herr Schwartmann, ich habe ein dringendes Problem in einer Mietsache.
Ich war am 31.01.17 in einer mündlichen Verhandlung und habe mich selbst verteidigt
weil einige Ihrer Kollegen zuvor abgesagt haben ( Fachanwälte Mietrecht ).”

Der Absender war also allein bei Gericht, hat einen Schriftsatznachlass bekommen und einen Verkündungstermin. Und möchte nun wissen, was er noch machen kann.

Ohne Aktenkenntnis kann ich ihm das natürlich nicht sagen und ob noch etwas zu retten ist und wie seine Chancen überhaupt stehen, vermag ich ohne Kenntnis des Akteninhalts und der gewechselten Schriftsätze auch nicht zu sagen.

Ich nehme die Anfrage aber zum erneuten Anlass, darauf hinzuweisen, dass es keinen guten Grund gibt, sich gegen eine Räumungsklage – um die es sich hier handelt – ohne anwaltlichen Beistand zu verteidigen. Nur weil “einige Kollegen” zuvor abgesagt haben, sollte man sich gerade in einer materiell-rechtlich und prozessual komplexen Materie nicht selbst vertreten. Das kann man vielleicht machen, wenn man sich mit dem eBay-Vertragspartner über 150 EUR streitet.  Aber in einer Räumungsklage, bei der es in der Regel um die häusliche Existenz geht, steht zu viel auf dem Spiel, um sich als Laie auf dünnes juristisches Eis zu wagen.

Auf eine zivilrechtliche Klage erhält der Beklagte in der Regel vom Gericht eine Frist von zwei Wochen gesetzt, um dem Gericht anzuzeigen, dass er sich dagegen verteidigen will – und eine weitere Frist von zwei Wochen, um auf die Klage zu erwidern.

Zur Beauftragung eines Anwaltes hat ein Beklagter also gemeinhin vier Wochen Zeit und dass “einige Kollegen” absagen, kann kein Hinderungsgrund sein: Im Jahr 2016 waren nach Angaben der Bundersrechtsanwaltskammer in Deutschland 163.772 Rechtsanwälte zugelassen. Da sollte sich in vier Wochen wohl jemand finden lassen.

Fehlendes Geld kann auch kein Grund sein, sich selbst zu vertreten. Wer kein Geld hat, kann sich mit einem Beratungshilfeschein (den gibt’s beim Amtsgericht) erst einmal anwaltlich beraten lassen. Bestehen Erfolgsaussichten sich gegen die Klage zu verteidigen, kann (und muss) der beauftragte Anwalt Prozesskostenhilfe dafür beantragen. Bestehen keine Erfolgsaussichten einer Verteidigung, wäre ein Anerkenntnis ratsam – aber keine Selbstverteidigung, die nur noch unnötige Kosten entstehen lässt.

Ich weiß nicht, warum die zuvor befragten Kollegen das Mandat abgelehnt haben. Sie werden sicherlich gute Gründe dafür gehabt haben. Daraufhin aber ganz auf anwaltlichen Rat zu verzichten und sich selbst ins Gefecht zu stürzen, war jedenfalls die denkbar schlechteste Option.

Guter anwaltlicher Rat muss nicht teuer sein – aber darauf zu verzichten, wenn man ihn am Nötigsten hat, kann sehr teuer werden.

Eine Antwort

  1. Ihr Mandant hätte keinen Antrag stellen dürfen.

    Dann gebe es ein noch nicht vollstreckbares Versäumnisurtteil. Man hat Zeit gewonnen. Nach Einspruch muss neu zu verhandelt werden. Der Anwalt kann sich nach Akteneinsicht vorbereiten.

    Auch jetzt vor der Verkündung gbt es noch Mölglichkeiten, dass neu vernandelt wird. Allerdings kompliztierter. Nicht jedermann Sache.

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