Monatliches Archiv: November 2016

beA – (m)ein erster Eindruck

Seit heute ist also das „besondere elektronische Anwaltspostfach“ (beA) für alle in Deutschland zugelassenen Anwälte erreichbar und nutzbar. Was man dafür tun muss, um es nutzen zu können, habe ich andernorts ausführlich beschrieben.

Mein erster Eindruck, nachdem ich mich einige Zeit mit der beA-Oberfläche beschäftigt habe: Ich bin sehr enttäuscht. Es mag sein, dass die lange Wartezeit eine besondere Erwartungshaltung bei mir erzeugt hat. Aber die Software ist leider sehr schwerfällig und unausgereift. Dass ich eine Nachricht nicht mit Doppelklick öffnen kann, sondern oben erst auf „Öffnen“ gehen muss, ist nicht zeitgemäß (Update: 29.11.16: Heute klappt es dann doch, mit kurzer Wartezeit. Entweder wurde nachgebessert, oder ich war gestern zu ungeduldig). Dass beim Beantworten einer Nachricht der Originaltext nicht als Zitat gesetzt wird, ist ebenfalls unverständlich. Beim Export einer Nachricht wird keine einzelne PDF-Datei erzeugt – das wäre ja zu einfach. Nein – jede Seite generiert eine eigene HTML-Datei und dann wird alles in eine ZIP-Datei gepackt. Warum einfach, wenn es auch umständlich geht? Muss ich noch darauf hinweisen, dass man natürlich auch keine Shortcuts findet? Eine Möglichkeit, eingehende Nachrichten zu filtern, gibt es auch nicht.

Dass ich mit meiner beA-Karte nicht signieren kann, weil die Signaturfunktion noch „aktiviert“ werden muss und ich deshalb auf meine bisherige qualifizierte Signaturkarte (ebenfalls von der BNotK) zurückgreifen muss, mag ein Einzelfall sein. Aber das wirft die Frage auch, weshalb ich überhaupt eine eigene, teure beA-Karte benötigte, denn die „alte“ Karte, die ich bisher fürs EGVP verwendet habe, kann ich auch als Sicherheitstoken für den Zugang zum beA verwenden. Das hätte man anders lösen können. Preiswerter. Honi soit qui mal y pense.

Nutzen wird das beA wohl in den nächsten 13 Monaten kaum ein Kollege, denn dazu müsste er ja erst davon ausgehen können, dass sein anwaltliches Gegenüber eingehende beA-Nachrichten rechtsverbindlich gegen sich gelten lassen muss. Also heißt es: vorher nachfragen. In der Zeit, die man für solche Recherchen aufbringt, kann man das Schreiben dann auch direkt faxen. Ich habe mir heute auch überlegt, ob ich „beA im Einsatz“ auf Homepage und/oder Briefkopf schreiben sollte. Indes: Mir ist kein überzeugender Grund dafür eingefallen. Eingehende Faxe bekomme ich sofort als PDF in mein E-Mail-Postfach und kann sie überall und jederzeit lesen. Eingehende beA-Nachrichten kann ich nur lesen, wenn ich die beA-Karte in den Kartenleser stecke und die beA-Webseite aufrufe um eingehende Post zu öffnen. Eine Nutzung über Smartphone oder Tablet ist nicht möglich. Wer beA-Nachrichten auch zuhause lesen möchte, wird um ein zweites Lesegerät nicht herumkommen. Da lasse ich mir von Kollegen doch lieber ganz normale Faxe schicken, die ich dann als PDF auch direkt per E-Mail an meinen Mandanten weiterleiten kann.

Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass kein Weg an der digitalen Kommunikation vorbeiführt. Aber dieses beA hat sein „b“ nicht verdient. Es ist leider zu einer Art BTX AOL für Anwälte geworden. Von Usability á la 2016 keine Spur. Und bis zum 01.01.2018 sind wir alle zahlende Beta-Tester, wie man schon daran sehen kann, dass die beA-Software noch eine Versionsnummer hat, die kleiner als 1 ist.

2016-11-28

Um das klar zu sagen: Ich bin Neuem gegenüber stets aufgeschlossen und kann die Verweigerungshaltung, die manche Anwälte bisher an den Tag gelegt haben, nicht nachvollziehen. Der AGH Berlin hat deren Argumenten ja jetzt auch eine klare Absage erteilt. Aber mit dem Produkt beA, wie es sich nun präsentiert, schafft man keine Akzeptanz, insbesondere nicht in dem traditionell technikfeindlichen Berufsstand der Anwälte. Beim Verfassen meiner Anleitungen zur Bestellung der Karte und Einrichtung des Postfachs ist mir klar geworden: Wer in den 70ern oder 80er Jahren sein Examen gemacht hat und seine freie Zeit seit dem lieber mit der NJW verbringt als mit der c’t oder dem Heise-Newsticker – der wird ab dem 01.01.2018 ein großes Problem haben. Oder viel Geld für Schulungen und IT-Profis ausgeben müssen. Denn dann soll die Nutzung von beA verpflichtend werden. Vielleicht holen sich die beA-Programmierer ja bis dahin noch die ein oder andere nützliche Anregung von Gmail oder Outlook.com. Denn Google und Microsoft machen vor, wie nutzerfreundlich E-Mail-Postfächer heutzutage sein können – und sein sollten, wenn es eine Nutzungspflicht gibt.

P.S.: Eine Einbindung des beA-Systems in gängige Kanzleisoftwarelösungen ist vorerst nicht in Sicht. Im Support-Forum von Advoware teilte ein Programmierer dazu heute nüchtern mit: „Den Softwareherstellern ist immer noch kein Testserver zur Verfügung gestellt worden. Eventuell kommt er im Dezember.“

beA ist da – So melden Sie sich an

Seit heute morgen hat die BRAK nun die beA-Seiten im Internet freigeschaltet. Wer im Besitz einer beA-Karte ist, kann sich nun also anmelden und das beA nutzen.

Was ist zu tun?

1.  Rufen Sie bitte die Seite https://www.bea-brak.de/ auf. Es erscheint dann diese Seite:

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2. Laden Sie sich die “Client Security” für das verwendete Betriebssystem herunter:

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3. Es öffnet sich dann ein Speicherdialog:

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4. Speichern Sie die Datei – hier: beAClientSecurity_windows.msi – ab und öffnen Sie sie mit Doppelklick. Die Client-Security wird nun installiert:

image   image  image  image

Nach der Installation lädt die Client-Security …

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… und auf dem Desktop finden Sie das Symbol image.

Dass die Client Security läuft, sehen Sie bei Windows unten rechts an dem entsprechenden Zeichen (hier: ganz links):

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5.Nun klicken Sie auf der bea-Webseite auf “Registrierung für Benutzer mit eigenem Postfach”.

Es startet die Benutzer-Authentifizierung:

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6. Wenn Ihre beA-Karte im Lesegerät steckt, erscheint dann folgender Bildschirm:

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Wählen Sie dann Ihren Sicherheits-Token.

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7. Sie werden dann mehrfach aufgefordert, Ihre PIN einzugeben.

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8. Wenn Sie die richtige PIN eingeben, beginnt die Einrichtung Ihres Postfaches:

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9. Nachdem Sie auch hier die erforderlichen oder optionalen Angaben gemacht haben, erscheint dann endlich Ihr beA-Postfach. Voilá!

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10. Zukünftig müssen Sie natürlich den Registrierungsprozess nicht erneut durchlaufen – klicken Sie dann einfach nur auf “Anmeldung”.

11. Zum Abschluss noch ein ganz wichtiger Hinweis: Wenn Sie im Firefox-Browser einen Popup-Blocker verwenden, sollten Sie für die Seite https://www.bea-brak.de eine Ausnahme hinzufügen – denn sonst öffnet sich das Fenster, in dem Sie eine Nachricht verfassen können, wahrscheinlich nicht. (Ich danke dem Kollegen Rüdiger Wulff für den freundlichen Hinweis).

Wenn Sie noch Fragen zu beA haben, besuchen Sie gerne die beA-Selbsthilfegruppe auf Facebook. Dort haben sich mittlerweile über 620 400 Nutzer zusammengefunden, die sich gegenseitig mit Rat und Tat zur Seite stehen:

beA-Hilfe: Die inoffizielle Supportgruppe für beA-Anwender

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