Monatliches Archiv: Mai 2013

Infektion entfernt

Anrufer erklärt mir, dass er per E-Mail eine Mahnung erhalten habe, die er sich nicht erklären könne. Er solle da eine Rechnung bezahlen, kenne aber die Absenderfirma gar nicht und könne die anliegende Datei mit der angeblichen Rechnung auch gar nicht öffnen. Wie er sich denn nun verhalten solle? Er leite mir die Mail mal eben weiter.

Mein Virenscanner meldet daraufhin kurz und trocken prompt: „Sie haben eine E-Mail mit schädlichem Inhalt erhalten. Anti-Virus hat den schädlichen Inhalt erfolgreich entfernt und ihn durch diese Nachricht ersetzt. Ihr Computer ist sicher und Sie können diese Nachricht löschen. (Infektion entfernt: Trojan.GenericKD.989078)“.

Ich habe dem Anrufer mitgeteilt, dass er dringend einen aktuellen Virenscanner über seinen Rechner laufen lassen solle. Die vermeintliche Mahnung war natürlich nichts anderes, als ein simpler Versuch, Malware auf seinem Rechner zu installieren.

Fazit: Kein Mandat – aber ein zufriedener Anrufer. 

LG Gießen: Keine Haftung für gehackten eBay-Account

Der Inhaber eines eBay-Kontos haftet nicht, wenn sein Mitgliedskonto mithilfe einer Schadsoftware gehackt wurde und ein unbefugter Dritter darüber ohne Kenntnis des Kontoinhabers Käufe getätigt hat. Dies entschied nun das Landgericht Gießen Landgericht Gießen in einem Urteil vom 14.03.2013 (Az.: 1 S 337/12).

In dem vorliegenden Fall hatte ein Hacker sich Zugang zum Konto des Beklagten verschafft und mit dessen Daten ein Notebook erworben, das er dann dreist auch noch persönlich beim Verkäufer abholte, natürlich ohne ihn bar zu bezahlen. Der Verkäufer klagte daraufhin den Kaufpreis bei dem Kontoinhaber ein, den er für den vermeintlichen Käufer hielt. Dieser verweigerte die Zahlung, da er den Kauf nicht vorgenommen hatte.

Das Landgericht gab dem Kontoinhaber recht und wies die Klage ab: Der Beklagte habe den Vertrag nicht abgeschlossen und hafte auch nicht nach den Grundsätzen der Anscheins- oder Duldungsvollmacht. Er habe seine Daten nicht selbst offengelegt und sei auch nicht dazu verpflichtet gewesen, seinen E-Mail-Eingang auf verdächtige eBay-Transaktionen hin zu überprüfen. Der Verkäufer habe aber bei Abholung den vermeintlichen Käufer um einen Identitätsnachweis bitten können – dass er dies nicht getan habe, gehe zu seinen Lasten.

Beraterhinweis:

Ich halte die Entscheidung für richtig. Mittlerweile werden E-Mail-Briefkästen regelmäßig mit vermeintlichen Nachrichten von eBay, PayPal, Amazon oder sonstigen bekannten Anbietern überschwemmt, deren Echtheit und Berechtigung für den einzelnen Anwender kaum zu überprüfen ist. Es ist nicht einzusehen, das aus der bloßen Anmeldung eines Kontos bei ebay eine Pflicht erwachsen soll, solche E-Mails zu prüfen und ggf. die Abwicklung nicht selbst abgeschlossener Kaufverträge zu verhindern. Erhält ein Kontoinhaber positive Kenntnis davon, dass sich ein Dritter seiner Daten bemächtigt hat und damit Straftaten begeht, sollte er aber natürlich sofort dafür Sorge tragen, dass mit seinen Daten kein Schaden verursacht wird.

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