Monatliches Archiv: März 2011

Deckungszusage minus Selbstbehalt gleich Null

Die Allianz RSV erteilt meinem Mandanten eine Deckungszusage für eine telefonische Erstberatung, deren Kosten „250,00 EUR nicht überschreiten dürfen.“
Ich berate den Mandanten telefonisch und schicke der Allianz also meine Rechnung.

Heute erhalte ich ein Fax:

„Wir weisen darauf hin, dass zu dieser Rechtsschutz-Versicherung ein Selbstbehalt von 250 EUR vereinbart ist. Die anfallenden Kosten liegen unterhalb dieses Selbstbehaltes. Wir bitten um Verständnis, dass wir bereits aus diesem Grund in der gemeldeten Angelegenheit keine Leistung erbringen können.“

Äh, ja.

Bevor sich der Mandant nun von seiner Versicherung verschaukelt fühlt, habe ich dann doch erst mal zum Hörer gegriffen. Die Mitarbeiterin der Allianz sah auch ein, dass das nicht optimal gelaufen sei. Sie würde das prüfen.

Ich bin gespannt.

 

Unverschämt

Heute morgen vor dem Amtsgericht Köln, ein „früher erster Termin“.

Die Parteien streiten um eine Werklohnforderung.

Der unterbevollmächtigte Klägervertreter erklärt, der sachbearbeitende Kollege habe auf die am 07.03. eingegangene Klageerwiderung vom 14.02. noch nicht antworten können, da er vom 04. bis 14.03. in Urlaub gewesen sei. Er beantrage daher Schriftsatznachlass und außerdem sei ja auch die Klageerwiderung verspätet gewesen, was er nun rüge.

Die Richterin: „Schriftsatznachlass auf die Klageerwiderung vom 14.02. wird nicht gewährt. Termin zur Verkündung einer Entscheidung: 12.05.2011“.

Der gegnerische Kollege ist entrüstet: „Verstehe ich Sie richtig? Der Urlaub des Anwaltes ist also kein Grund für einen Schriftsatznachlass?“

Die Richterin: „Die Verhandlung ist geschlossen.“

Der Kollege fand das völlig unmöglich, die Richterin rügte daraufhin sein „gesamtes Auftreten hier“ als „unverschämt.“ Es folgte ein hitziger Wortwechsel, auf dessen Wiedergabe hier verzichtet werden soll.

Der Streitwert lag übrigens unter 600 EUR, aber der Termin hat sich trotzdem gelohnt: Beste Unterhaltung und Rechtsfortbildung wurden geboten.

Berufung ausgeschlossen.

 

 

Repräsentativ

Unter einer Online-Umfrage des Kölner Stadtanzeigers fand ich gerade folgenden Hinweis:

Das Ergebnis der Umfrage ist nicht repräsentativ, da die Teilnahme an der Umfrage freiwillig ist und somit kein statistischer Bevölkerungsquerschnitt befragt wird.

Lässt sich daraus der Schluss ziehen, dass eine Umfrage nur dann repräsentativ ist, wenn die Teilnahme an ihr nicht freiwillig ist?

Dann gibt es wohl keine repräsentativen Umfragen.

Schwarze Schafe – oder vom Umgang mit Mandantengeldern

Ich vertrete derzeit einen Mandanten gegen einen „Kollegen“. Dieser hat für meinen Mandanten eingehendes Fremdgeld in erheblicher Höhe nicht, wie es sich gehört und berufsrechtlich geboten ist, auf ein Anderkonto gebucht, sondern auf sein Kanzleikonto. Dort wurde es dann vom Finanzamt gepfändet.

Es bedarf sicher keiner Begründung, dass diesem Anwalt die Zulassung entzogen gehört. Der sorgsame und rechtmäßige Umgang mit anvertrautem Mandantengeld ist eine Grundvoraussetzung für das zwischen Anwalt und Mandant erforderliche Vertrauensverhältnis. 

Das scheinen leider nicht alle Anwälte so zu sehen:

„Von den 4 Anwaelten, die ich innerhalb der letzten 5 Jahre in Europa engagiert habe […], haben 2 meine Gelder unterschlagen. Das sind 50% …. Ich war immer davon ausgegangen, das so etwas so gut wie nie vorkommt und die grosse Ausnahme ist. Wenn das ein repräsentatives Ergebnis ist, dann würde das bedeuten, dass es besser ist, vorher eine Schufa Anfrage einzuziehen, bevor man einen Anwalt engagiert.“

Der Anspruch des Mandanten wurde zwar mittlerweile tituliert, aber ob er sein Geld jemals wiedersieht, steht in Sternen: Die Zwangsvollstreckung dürfte schließlich den Verlust der Zulassung des Kollegen wegen Vermögensverfalls zur Folge haben, was zwar einerseits richtig ist – denn dieses schwarze Schaf der Anwaltschaft gehört aus dem Verkehr gezogen – aber andererseits die Chancen auf eine erfolgreiche Beitreibung der Schulden verzögern wird.

Aber der Titel ist ja noch jung und der Schuldner auch. Es besteht also Hoffnung.

 

E10

Derzeit wird ja viel über Sinn und Unsinn des neuen Treibstoffgemischs E10 diskutiert. An hiesigen Tankstellen habe ich es bisher noch nicht gesehen.

Aber ich wüsste auch nicht, weshalb ich E10 tanken sollte, wenn das genauso teuer ist wie normales Super-Benzin. Denn schließlich steigt doch durch die Zumischung von mehr Bio-Ethanol der Verbrauch, so dass ich also im Endeffekt für die gleiche Kilometer-Reichwerte mehr E10 benötige, als Super E5.

Von den notwendigen Rodungen durch den erforderlichen Getreideanbau gar nicht erst zu reden. Millionen Kinder (ver)hungern in der Dritten Welt – aber Europa verbrennt massenhaft Getreide auf den Autobahnen? Nein danke.

E10 scheint mir eine typische Eurokraten-Todgeburt zu sein. Ich bleibe bei dem alten Super E5, auch wenn mein Auto E10 verträgt. Aber bei den aktuellen Spritpreisen lasse ich das Auto sowieso stehen, wenn es nicht zwingend erforderlich ist.

Ein solcher Tag

Ein Mandant fragt mich, ob es nicht schlimm sei, „an einem solchen Tag arbeiten zu müssen.“

Nein.

Denn erstens arbeite ich gerne.
Und zweitens ist heute doch nur ein ganz normaler Dienstag.

Seltsame Frage also.

Der Neue

Aus dem Lebenslauf von Thomas de Maizière:

1986: Promotion zum Dr. jur. an der Wilhelms-Universität in Münster

Interessant.

Aber immerhin ist er Volljurist. Und somit natürlich schon per definitionem vertrauenswürdig.

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